Reviews

Neue Zeitschrift für Musik - Stefan Hetzel
"Ganz anders in Muirs "Wie man findet, was man nicht sucht": Michael Höppner inszenierte beherzt ein polymediales Tableau aus anekdotischen Texten, drastischer Körper-Performance, musikhistorischen Reflexionen, eingeblendeten Zeitungsausschnitten und dem Video eines Mikado-Spiels, das sich wohl mit der feinsinnigen, mitunter an Feldmanns "For Samuel Beckett" erinnernden Musik Muirs im Kopf des Zuschauers zu einer Meditation über den Zufall verdichten sollte. Das anspruchsvolle Konzept konnte zwar theatralisch nicht vollkommen überzeugen, wies aber zumindest in die richtige Richtung: in die Zukunft, nicht ins 20. oder gar 19. Jahrhundert"
Kritik in der Tagespiegel - Carsten Niemann
"Wie man findet, was man nicht sucht"

Erst Muirs und Höppners satirische Produktion wagt es, den Umgang mit der Figur Politkowskaja offensiv und kritisch zu hinterfragen und sie dabei auch ganz nah an die Lebenswirklichkeit des westlichen Publikums zu rücken. Das alte Diktum Dürrenmatts bestätigend, nach dem die schlimmstmögliche Wendung, die eine Handlung nehmen kann, ihre Wendung zur Komödie sei, nimmt sie in einer Reihe kleiner böser satirischer Szenen die Stilisierung Politkowskajas zur Märtyrerin aufs Korn und entlarvt diese Überhöhung als Ausrede, nicht selbst mutig handeln zu müssen. Die Aussage ist stark genug, dass Muirs Musik, die als einzige nicht durchkomponiert ist, an vielen Stellen schweigen oder sich als sparsame Bühnenmusik auf ihre gliedernde Funktion zurückziehen kann. Ihre dramatische Qualität mindert das nicht – im Gegenteil. - Carsten Niemann
Tagesspiegel
Michael Volker, RBB Kulturradio
Leah Muirs Stück wirkt ein wenig überladen und verwirrend, doch immer ehrlich und sehr intelligent. - Michael Volker

"Wie man findet, was man nicht sucht" ein Musiktheater
RBB Kulturradio
Kritik in der Süddeutsche Zeitung - Klaus Kalchschmid
Biennale: „A Game of Five“ mit einem Katastrophen-Szenario

München – Am Ende hatte man gelacht wie selten bei einer Biennale. Dabei war einem bei diesem „A Game of Fives“, einem Gemeinschaftsprojekt des Festivals mit der Universität der Künste Berlin im Carl-Orff-Saal schon mal das Lachen im Hals stecken geblieben. Denn in Leah Muirs Katastrophen-Szenario „Von Sodom und Gomorra nach Berlin“ dominierten die Verwüstungen des Tsunami vor Fukushima die große Videowand.

Aber zuerst das Lustige: Man stelle sich vor, wie fünf Damen in phantasievollen Kostümen (Kerstin Grießhaber, Carolin Schogs) an der Rampe unter Leitung einer burschikosen, zwischendurch auch Saxophon spielenden Animateuse (Meril Price) die schönsten Körperverrenkungen ausprobieren. Dabei singen, kommunizieren und musizieren sie (komponiert von Cathy von Eck) mit sich und den anderen via eines Lautsprechers in der Linken und eines Mikros in der rechten Hand, dabei, live-elektronisch unterstützt, die witzigsten Töne und Klänge hervorbringend.

Was dieses Spiel in acht miteinander verschränkten Teilen im Innersten zusammenhält, war freilich kaum auszumachen und auch Regisseur Enrico Stolzenburg stand vor einer unlösbaren Aufgabe. Zu disparat waren die Entwürfe, zu verschieden musikalische und inhaltliche Struktur: Während Abel Paúls 20-minütiger ambitionierter Betrag à la Lachenmann bei manchem Zuhörer Gähnen verursachte, Inigo Giner Mirandas „A Game of Logic“ (15 Minuten) ebenfalls eher Ratlosigkeit verursachte, war Muirs Patchwork mit einem Power-Point-Vortrag von Harry Lehmann über Naturkatastrophen (21 Minuten) brisant und spannend. Yoav Pasovskys Performances zu Beginn und am Ende besaßen Witz und instrumentale Prägnanz, von den zehn Mitgliedern des Ensemble Klangexekutive unter Errico Fresis plastisch ausgeformt.

Klaus Kalchschmid
Neue Musikzeitung-Game of Fives
Game of Fives
Zur 13. Münchener Musiktheater-Biennale

Ausgabe: 6/12 - 61. Jahrgang

… Der Brückenschlag nach Berlin, dem Uraufführungsort von Schrekers „Fernem Klang“, blieb schließlich Absolventen und Studierenden der Universität der Künste vorbehalten. Die aus Yoav Pasovskys „Pavane“ ableitbaren Stichworte Echo, Spiegelung und Performance sorgten auch in den Folgewerken für einen gewissen Zusammenhalt dieser mit „A Game of Fives“ betitelten Gemeinschaftsproduktion. Des Weiteren zog sich ein unverkrampfter, dabei aber hochprofessioneller Umgang mit elektroakustischen und elektronischen Gestaltungsmitteln durch den wunderbar hintersinnig-sinnfreien Abend, der lose um das Œuvre Lewis Carrols kreiste. Cathy van Eck ließ Sängerinnen mit einer schlichten Vorrichtung aus Mikro und Lautsprecher interagieren, Leah Muir lieferte eine abgedrehte Vertonung eines PowerPoint-Vortrags, bei Abel Paul erweckten Klangfragmente auf geheimnisvolle Weise einsame Instrumente zum Leben, Iñigo Giner Miranda entwarf virtuos komponierte Miniaturszenerien rund um Recycling-Gitterboxen. Auch hier waren durchaus vielversprechende „Nuclei“ künftiger Opern enthalten.
-Juan Martin Koch

Neue Musikzeitung
Deutschlandfunk Sendung
Deutschland Funk - Jörn Florian Fuchs